Ein Experiment mit Seltenheitswert
Klassische Musik und moderner Pole Dance: Geht das zusammen?
Das passt sogar sehr gut, wie man am Sonntag im bestens besuchten Theater im Park erleben konnte.
Das Experiment gelang, wie man beim jubelnden Schlussapplaus des Publikums hören konnte. Schon bei der Einführung von Udo Stephan Köhne platzte das Foyer des Theaters aus allen Nähten. Das Orchester spielt die Sinfonie Nr. 82 in C-Dur von Joseph Haydn, die schon zur Uraufführung ein Riesenerfolg war. Naoko Grünberg-Sakai scheint als lebendiges Energiebündel am Dirigentenpult besonders in dem träumerischen Largo fast schon über der Partitur zu schweben.
Die Musiker spielen das von Astor Piazzolla für klassische Orchester komponierte Tangazo. Und gerade haben sich die Konzertbesucher in die träumerische und melancholische Musik eingefunden, als sich Danilo Dück im Halbdunkeln langsam auf die Bühne bewegt, zur Polestange schreitet, sie umarmt, sich bergauf schwingt. Und sich dann in kraftvollen Bewegungen im Takt der Musik um den Stab windet.
Besonders tiefgründig wird das Erlebnis, als das Orchester die feierliche Komposition Andante Festivo von Jean Sibelius spielt. Zueinander finden die beiden Tänzer erst am Ende mit Zoltan Kodálys Tänzen aus Galanta, als Fumiko Okusawa Danilo Dück an der Stange umgarnt und ihm eine Taube aus Papier überreicht. Der Einklang ist hergestellt und das Experiment mehr als gelungen. Das Publikum bedankt sich minutenlang mit stehendem Applaus für das einzigartige Musikerlebnis.
Auszug aus der Konzertkritik von Elke Niedringhaus-Haasper, Neue Westfälische 8.Juli 2026